Von Antigua nach Martinique mit kleinen Zwischenfällen – Teil 2

Hinter Les Saintes wird es Nacht. Es fühlt sich immer noch an wie in der Waschmaschine im Schleudergang. Ich bereite, wie jeden Abend, unseren Kefir für den nächsten Tag vor. Beim Abfüllen muss ich warten bis wir kurz mal nicht so sehr wackeln, dann schnell von der Schüssel ins Glas gegossen. Dabei nichts daneben zu schütten ist fast unmöglich!

Danach gibt es unser neues Lieblingsabendessen für unterwegs: Hot Dogs. Würstchen heiß gemacht, Brötchen aufgeschnitten, Ketchup und Senf drauf und schon ist das Abendessen fertig. Und auch der Abwasch ist schnell erledigt.

Ich übernehme die erste Wache, Kai haut sich aufs Ohr. Mal sehen, ob er bei dem Geboller schlafen kann.

Draußen ist es stockdunkel. Der Mond ist noch nicht aufgegangen (aber der wäre sowieso nur eine winzig kleine Sichel), der Himmel bewölkt und somit ohne Sterne. Lediglich von Guadeloupe schimmern ein paar kleine Lichter in der Dunkelheit und weit vor uns sehe ich einen großen hellen Fleck. Das muss wohl Dominika sein. Ich setzte mich kurz etwas hinter den Steuerstand, aber irgendwie ist mir diese absolute Schwärze fast schon etwas unheimlich. Ich sehe die Hand vor Augen nicht, geschweige denn die Wellen, die da angerauscht kommen. Ich setze mich lieber in den Salon, wo ich ab und an einen Blick auf unser AIS (Automatic Identification System, mit dem wir die Daten von vorbeifahrenden Schiffen empfangen) werfen kann und das Gefühl habe, dass ich trotz stockfinsterer Nacht sehe, was draußen vor sich geht.

Bei meinem nächsten Kontrollgang sind die Wolken größtenteils weiter gezogen und über mir erstrahlt der Sternenhimmel. Jupiter leuchtet orange ganz tief am Horizont und über mir ist eine Art Nebel, der sich über den ganzen Himmel zieht: Wow, das ist die Milchstraße! Da der Mond immer noch nicht aufgegangen ist, leuchtet sie wie ein helles Band in der Nacht. Gleich erscheint die Welt um mich herum nicht mehr unheimlich, sondern einfach nur magisch! Ich schaue in den Sternenhimmel und suche nach ein paar bekannten Sternbildern. Aber bei der großen Menge an Sternen, kann ich keines erkennen. Doch, nach einiger Suche sehe ich hinter uns den großen Wagen. Er steht ganz tief und ist nur von wenigen anderen Sternen umgeben. So schön!

Langsam werde auch ich etwas müde und beschließe im Salon ein bisschen Powernapping zu machen. Wir kommen bei 24 Knoten Wind mit 7,5 Knoten gut voran und es wird noch etwas mehr als eine Stunde dauern, bis wir in den Windschatten von Dominika kommen werden und eventuell die Besegelung ändern müssen. Schiffe sind auch keine in der Nähe und so kann ich ein paar 15-Minuten-Schläfchen wagen.

Doch so richtig klappt es nicht. Der Wind geht ständig hoch und runter, mal sind es 19 Knoten, dann wieder 27 und die Wellen rumsen ordentlich ans Boot. Und um 22 Uhr ist es mit dem Wind vorbei. Wir sind in der Abdeckung von Dominika und in wenigen Sekunden geht der Wind von 24 auf 5 Knoten. Ich wecke Kai und schalte die Motoren an und zusammen holen wir die Genua ein.

Ich motore eine Stunde hinter Dominika währen Kai sich nochmal hinlegt. Dann ist auf einen Schlag der Wind wieder da. Also drehen wir zusammen die Genua wieder raus und schalten die Motoren aus. Kai schickt mich ins Bett und eine Stunde später ist der Wind wieder weg: Motoren wieder an! Das finde ich gar nicht so schlecht, denn mit dem schönen gleichmäßigen Motorengeräusch schlafe ich wunderbar.

Um kurz vor 2 Uhr nachts fährt Kai in den Kanal zwischen Dominika und Martinique. Und dort hat es wieder mächtig Wind. Es bläst mit 25-28 Knoten (6-7 Beaufort), es herrscht sehr kabbelige See und die Wellen rumsen und knallen ans Boot. Ich versuche mir im Bett die Ohren zu zu halten und mich in die stabile Seitenlage zu bringen. Funktioniert nicht! Ständig hebt mein Körper kurz ab, wenn wir mal wieder in ein Wellental krachen und der Lärm ist auch nicht schlaffördernd. Zu allem Unglück werde ich jetzt auch noch seekrank, mir ist sooo schlecht!

So stehe ich auf, setzte mich in den Salon und biete Kai an ihn wieder abzulösen. Doch da Kai nicht sicher ist, ob wir die Besegelung so lassen können, möchte er lieber noch eine Weile wach bleiben. Gut so, denn auf einmal fängt draußen etwas an zu blinken. Was ist denn das jetzt? In das Licht unserer Rettungsboje ist anscheinend Wasser gekommen und jetzt schaltet sie sich ständig an und aus. Eigentlich sollte sie sich nur einschalten, wenn sie ins Wasser fällt und mit dem Licht nach oben auf den Wellen treibt. Jetzt macht sie das am Heck unseres Schiffs. So zieht Kai sein Gurtzeug an, lascht sich an der Reling fest und holt die Boje bei ständig ans Boot schlagenden und spritzenden Wellen ins Cockpit. 

Das Gute daran, meine Seekrankheit ist durch die kleine Aufregung wie weggeblasen und ich lege mich im Salon etwas hin. Letztendlich segelt Kai uns dann durch den ganzen Kanal, während ich im Salon immer mal wieder kurz einschlafe.

Um kurz nach 6 Uhr kommen wir in die Abdeckung von Martinique und die grässlichen Wellen lassen endlich nach. Hinter dem Mont Pelée, dem höchsten Berg Martiniques geht die Sonne auf und die Welt sieht wieder friedlich und schön aus. Als ob es nie anders gewesen wäre.

Fortsetzung folgt.

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