Ohne Computer ist man aufgeschmissen

Eigentlich sollten meine Berichte über die Fahrt nach Süden ja noch weitergehen, doch leider ging uns, als wir wieder Internet hatten, unser MacBook kaputt. Also kramten wir gleich mal unseren uralten EeePC (ein kleines Laptop) heraus, den wir seit Jahren nicht mehr benutzt hatten. Tja, das war ein großer Fehler, denn als Kai ihn einschaltete sah er gleich, dass der Bildschirm etwas kaputt war und außerdem ging die Taste „w“ nicht mehr. Das Betriebssystem war auch ziemlich veraltet und als Kai unsere Festplatte anschloss, auf der wir Sicherungskopien von vielen Daten haben, konnte er diese nicht lesen. So konnten wir mit diesem Laptop erst einmal auch nicht wirklich etwas anfangen.

Also behalfen wir uns mit unseren iPads. Man sollte meinen, dass das kein Problem sei, aber leider merkt man immer erst wie oft man etwas benutzt, wenn es nicht mehr funktioniert. So konnten wir nun abends keine Filme schauen, keine eBooks auf unsere eBook-Reader laden (glücklicherweise hatten wir beide gerade kurz vorher einige Bücher darauf geladen), keine Fotos anschauen, auf keine Daten zugreifen und auch keine Blogbeiträge schreiben. So ein Mist! Nun mussten wir zu unserer riesige Einkaufsliste auch noch ein MacBook hinzufügen. Als ob die Liste nicht schon lang genug gewesen wäre.

Wie es hier weiterging, erzähle ich euch dann nach den Segelberichten. Doch wie ihr schon erahnen könnt, haben wir mittlerweile, nach einigen nervenaufreibenden Tagen, eine funktionierende Lösung. Juhu!

Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 2

Am zweiten Tag ging es weiter von Basseterre in Guadeloupe an Les Saintes vorbei nach Roseau in Dominika. Dieses Mal mussten wir nicht ganz so früh aufbrechen, weil wir lediglich eine Strecke von 48 Seemeilen vor uns hatten. Doch diese Strecke hat es meistens in sich, weil es in den Kanälen zwischen Guadeloupe, Les Saintes und Dominica oft bläst wie verrückt.

Und auch dieses Mal sollte dies keine gemütliche Überfahrt werden. Bereits von unserem Ankerplatz aus sahen wir, dass ein Regenschauer nach dem nächsten durch den Kanal zog. Deshalb warteten wir noch etwas ab, doch es wurde einfach nicht besser. Da der Wetterbericht vorhergesagt hatte, dass sich das schlechte Wetter so ziemlich auf diesen ersten Kanal nach Les Saintes begrenzte, gingen wir gegen 8:15 Uhr Anker auf und fuhren mit beiden Segeln im ersten Reff los.

Zuerst sah alles noch ganz gut aus, doch je näher wir der Mitte des Kanals kamen, umso näher rückte auch ein Regenschauer aus Osten und ein Frachtschiff aus Westen. Dass der Schauer uns trifft war sicher und auch das Frachtschiff hielt munter auf uns zu. So schaute ich im AIS (ein System, das in unser Funkgerät integriert ist und uns Daten von anderen Schiffen anzeigt) nach, welchen Kurs der Frachter fährt, wie der CPA (closest point of approach) und TCPA (time to closest point of approach) ist. Och nein, das sah nicht gut aus: der CPA war 0,1 Seemeilen und TCPA ca. 10 Minuten. Das bedeutete, der Frachter würde, wenn wir beide weiterhin unseren Kurs beibehalten würden, in 10 Minuten ca. 180m vor oder hinter uns passieren. Das wäre verdammt nahe, zumal ja von der anderen Seite auch noch der Regenschauer auf uns zukam. Wir beschlossen, erst mal abzuwarten und zu schauen, wie alles auskommt. 

Und da kam auch schon der Schauer und traf uns mit voller Wucht. Es fing an zu regnen und der Wind ging immer weiter hoch: 24 Knoten, 26, 27, 28, 30 und schließlich 32,5 Knoten. Kai fiel ab (steuerte vom Wind weg), während ich unsere Segel etwas fierte und wir rauschten mit fast 9 Knoten dahin. Der Frachter war erstmal vergessen, weil wir mit unserem Boot und den Segeln genug beschäftigt waren. Als der Spuk vorbei war, hielt ich sofort wieder nach dem Frachter Ausschau, doch dieser war inmitten des Regenschauers verschwunden. Da waren wir ganz schön froh um unser AIS, auf dem wir weiterhin sehen konnten, wo er sich befand und wie weit er noch von uns entfernt war. Der CPA war nun bei 0,2 Sm (auch nicht wirklich toll) und TCPA bei 5 Minuten. Doch glücklicherweise sah ich, dass er mittlerweile leicht seinen Kurs geändert hatte und wenn wir auch nochmal etwas anluven (dichter an den Wind fahren) würden, sollte er hinter uns vorbei kommen. Und so war es dann auch. Fünf Minuten später passierte er uns in ca. 800m Entfernung! So etwas ist wirklich typisch: wir und der Frachter waren die einzigen Schiffe, die im Kanal unterwegs waren und mussten natürlich mitten im Regenschauer fast auf Kollisionskurs sein!

Der Rest der Fahrt war zwar weiterhin ziemlich durchwachsen, weil uns noch zwei Regenschauer trafen, aber diese waren glücklicherweise nicht ganz so heftig wie der erste und hinter Dominika lachte uns dann auch wieder die Sonne.

So kamen wir um 16:30 Uhr in Roseau an, wo wir von einem der Boatboys an einer Boje festgemacht wurden. Hier konnten wir uns zum ersten Mal einen Eindruck von der Zerstörung von Hurrikan Maria im vergangenen September machen. Die Aufbauarbeiten scheinen ganz gut voran zu gehen und ziemlich viele Gebäude haben neue Dächer bekommen. Aber man sieht auch noch einige fast vollkommen eingestürzte Häuser, die ganzen Bootsstege hier in der Bucht fehlen und es gibt noch einiges zu tun. Die Natur hat sich wohl am besten erholt, denn was wohl vor einigen Monaten noch kahl und braun war, ist jetzt schon wieder saftig grün und sprießt. Wenn wir Menschen uns nur auch so schnell von solchen Naturgewalten erholen könnten!

Alljährliche Fahrt in den Süden – Tag 1

Am Montag traten wir von der Nonsuch Bay in Antigua um 5 Uhr morgens unseren alljährlichen Weg Richtung Süden an. Zuerst hatten wir geplant, direkt von hier nach Martinique zu segeln, und zwar an der Ostseite der ganzen Inseln entlang. Doch leider ließ das Wetter dies nicht zu und so segelten wir, wie immer, nach Basseterre in Guadeloupe. Eigentlich sollte es ein recht angenehmer Törn werden, weil wir dieses Mal einen besseren Winkel hatten, doch leider hatten wir mit enorm viel Seetang zu kämpfen. Ständig mussten wir größeren Feldern ausweichen und sammelten dennoch so viel Sargassum Weed auf, dass mehrmals unser Ruder blockierte und wir in den Wind schießen mussten, um den ganzen Seetang wieder los zu werden. 

Und auf halbem Weg durch den Kanal spielte uns der Seetang dann noch einen anderen Streich. Wir kamen auf ein riesiges Feld zu, dem wir unmöglich ausweichen konnten, und so hieß es „Augen zu und durch“. Doch so einfach sollte es uns nicht gemacht werden. Kaum waren wir durch das Sargassum durch, als wir auch schon langsamer wurden. Zuerst dachten wir, wir hätten uns wieder jede Menge Seetang eingefangen, doch dann entdeckten wir, dass es diesmal schlimmer war. Mitten in dem Seetang-Feld musste wohl eine Leine einer Fischerboje geschwommen sein, die sich nun um unser Ruder gelegt hatte. Wir wurden immer langsamer und unsere Ruder ließen sich nicht mehr bewegen. Ach herrje, was nun? Da wir auf keinen Fall den Motor anschalten wollten, damit wir die Leine nicht auch noch in einen unserer Propeller bekommen, blieb nur eine Möglichkeit: Kai musste ins Wasser und sich die Sache von dort ansehen. Also zog er sich schnell aus, machte eine unserer Dingi-Leinen los, band sich diese um den Bauch, zog die Schnorchelbrille an und ging auf Tauchstation. Unter Wasser sah er, dass die Leine nicht nur um unser Backbord-Ruder, sondern auch um unser Steuerbord-Ruder ging, aber es sah so aus, als ob sie sich nirgendwo verwickelt hatte, sondern nur einmal vorne an unseren Rudern vorbei ging. Also versuchten wir nochmals die Ruder zu bewegen, was bei der geringeren Geschwindigkeit nun ging. Jetzt konnten wir in den Wind drehen, um zum Stillstand zu kommen. Sogleich löste sich die Leine von unserem Steuerbord-Ruder und dann auch von unserem Backbord-Ruder. Dann konnten wir wieder zurück auf Kurs gehen und erneut Fahrt aufnehmen. Puh, welche Aufregung!

Glücklicherweise brachten wir den Rest des Kanals ohne weitere negative Ereignisse hinter uns und kurz vor Guadeloupe war urplötzlich auch überhaupt kein Seetang mehr zu sehen. Da dies ein gutes Gebiet zum Fischen ist, warfen wir sofort unsere Angelleine aus und mussten keine fünf Minuten warten, bis einen Fisch anbiss. Es war eine wunderschöne ca. 75 cm lange Dorade, die Kai nach einem längeren Kampf an Bord zog. Welch tolles Abendessen!

Gegen 17 Uhr kamen wir nach 72 Seemeilen in Basseterre an und nachdem wir geankert hatten, schaute sich Kai dann nochmal genauer unsere Ruder an. Leider hatte die Leine im Backbord-Ruder eine tiefe Kerbe hinterlassen, die wir wohl bei unserem nächsten Werft-Aufenthalt reparieren müssen. Doch es hätte schlimmer kommen können und so waren wir froh, dass dies so glimpflich ausgegangen ist.

Und zum Abendessen gab es dann Doradenfilets an einer Butter-Zitronen-Petersilien-Soße mit Salzkartoffeln und Zuckerschoten. Welch ein Festschmaus!